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Massgebend ist
die
englische Originalversion
Sulak Sivaraksa
PBI-Mitgründer, erhielt u. A. den "Right & Livelihood Award",
(Thailand), sowie den "alternativen Friedensnobelpreis".
Zitat-Auszüge:
Förderung der
Gewaltfreiheit und Schutz der Menschenrechte
Das Thema der Konferenz ist sehr aktuell und
wichtig. Die am 11. September verübten terroristischen Angriffe und die
darauf folgenden Bombenabwürfe auf Afghanistan zeigen deutlich die
Notwendigkeit gewaltfreier Alternativen. PBI setzt bereits seit vielen
Jahren einige dieser gewaltfreien Alternativen in die Tat um. PBI
inspiriert die Menschen und demonstriert der Welt die Kraft der
Gewaltfreiheit.
Wir könnten die gegenwärtigen Ereignisse als
Krise bezeichnen, doch auf chinesisch bedeutet das Wort „Gefahr und
Gelegenheit". Während wir uns zum einen der Gefahr bewusst sein müssen,
sollten wir dies aber auch als eine Gelegenheit nutzen sinnvolle und
gewaltfreie Alternativen zu diesem Krieg gegen den Terrorismus
beizutragen.
Die Gewalt, mit der wir jeden Tag durch die
Medien konfrontiert werden, kann uns manchmal erdrücken und lässt uns
leicht hilflos fühlen. Frieden zu stiften ist eine niemals endende
Aufgabe, was aber nicht bedeutet, dass wir aufhören sollten sie auszuüben.
Eine Definition eines Friedensstifters ist, dass er, weil er weiss, dass
die Quelle vom Wasser der Berge lebt, zur Schneegrenze hochsteigt, einen
Löffel voll Schnee schöpft und zur Quelle trägt, dann wieder hinaufsteigt.
Da die Notwendigkeit an friedensstiftenden Massnahmen immens ist sollten
wir niemals aufhören uns für sie einzusetzen.
Thich Nhat Hanh meint, „Um Krieg bzw. die
nächste Krise zu verhindern, müssen wir jetzt sofort beginnen. Wenn ein
Krieg oder eine Krise erst einmal begonnen hat, ist es schon zu spät. Wenn
wir und unsere Kinder tagtäglich nach ahimsa leben, wenn wir lernen Samen
des Friedens und der Versöhnung in unsere Herzen und unseren Geist zu
säen, beginnen wir wirklichen Frieden zu stiften und, auf diese Weise
könnten wir in der Lage sein den nächsten Krieg zu verhindern."² Diese
Idee der Konfliktprävention, Kriege zu verhindern bevor sie ausbrechen,
ist sehr wichtig. Diese Arbeit macht keine Schlagzeilen und niemand nimmt
wirklich Notiz von ihr, doch sie ist sehr entscheidend.
Dies soll nicht heissen, dass, wenn ein Krieg
einmal begonnen hat, wir nichts mehr tun können. Es ist aber entscheidend,
dass wir uns klar machen, dass die meiste Arbeit, nämlich die Verhinderung
von Kriege, die Verhinderung Gewalt, nicht erst stattfindet, nachdem
Kriege angefangen haben. Die Arbeit dauert an, denn es ist sehr viel
einfacher Kriege zurückzuhalten bevor sie begonnen haben. Frieden bedeutet
nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden setzt einen proaktiven und
umfassenden Prozess voraus, aus dem heraus wir eine gemeinsame Basis
schaffen können, die uns ermöglicht, zu kommunizieren und eine gewaltfreie
Philosophie und Teilung der Ressourcen in die Praxis umzusetzen.
Frieden ist auch etwas, was wir in uns selbst
finden müssen. Wenn unsere eigenen Köpfe voll von Ärger und Hass sind, wie
können wir dann glauben die Gewalt der ganzen Welt zu lösen? Wir müssen
unsere Denkweise überprüfen und versuchen unseren Ärger, unsere Gier und
unseren Wahn zu kontrollieren. Erst wenn wir diese Emotionen überwinden,
schaffen wir ein wenig Frieden in uns selbst. Und erst wenn wir den Samen
des Friedens in uns haben, können wir Frieden sähen in dieser Welt. Die
Kunst Frieden zu schaffen beginnt also in uns selbst.
Um Frieden zu schaffen brauchen wir auch
upekkha, den Gleichmut, den freien und steten Geist. Mit upekkha werden
wir nicht von unseren Emotionen beeinflusst, sondern gewinnen einen
gewissen Abstand, der uns ermöglicht unser Wissen zu entfalten. Und durch
Wissen können wir andere mit Mitgefühl und Verständnis unterstützen.
Weiterhin ist es auch wichtig über die
strukturelle Gewalt nachzudenken. Wir sollten unser Denken nicht darauf
begrenzen zu glauben, dass sich Gewalt lediglich auf kriegerische oder
terroristische Handlungen beschränkt. Jeden Tag verhungern 40.000 Menschen
in einer Welt, wo Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Das
Weltwirtschaftsystem bereichert ein paar Wenige, während jeden Tag mehr
und mehr Menschen in die Armut gedrängt werden. Das Problem ist, dass
strukturelle Gewalt schwierig zu erkennen ist. Viele Menschen verleugnen
sie, in dem sie sagen, so sind die Dinge nun mal oder es gibt keine
Alternativen. Viele Menschen lehnen auf ähnliche Weise die Gewaltlosigkeit
ab, weil sie nicht im Stande sind, sich vorzustellen, dass sie wirksam
genutzt werden kann, da sie nicht die gleichen Schlagzeilen erzeugt wie
die Gewalt. Viele Menschen verstehen nicht, dass Gewaltlosigkeit eine
Lösung sein kann.
Die Ursache der meisten globalen Konflikte
liegt in dieser strukturellen Gewalt. Die wirtschaftliche Unterdrückung
durch die Globalisierung wurde der Welt von den Ländern des Nordens
aufgedrängt. Transnationale Kapitalgesellschaften und „die Bretton Woods
Institutionen" (Welt Bank, IWF und WTO) verurteilen nicht nur viele
Menschen in Armut zu leben, sondern sie liefern auch den Nährboden für
Hass und Habgier, welche wiederum Gewalt verursacht. Die Religion des
Konsums basiert auf der Förderung der Gier, und im Namen dieser Gier wird
Gewalt in vielfacher Form verübt.
Deswegen sollten wir unbedingt Wege finden, um
die strukturelle Gewalt genauso wie die offensichtlichen Formen der Gewalt
zu überwinden. Beide Aspekte müssen in friedensstiftender Arbeit enthalten
sein.
Zusammen mit meinem Freund Abdurrahman Wahid
bin ich dabei die Bandung II Konferenz zu organisieren, die 2005
stattfinden wird. Die erste Bandung Konferenz fand 1955 statt, daher
hoffen wir den 50zigsten Jahrestag mit dieser Konferenz auszuzeichnen. Es
wird um ähnliche Grundsätze gehen - Alternativen zu den vorherrschenden
Paradigmen zu erörtern. Wir müssen Alternativen zu den aktuellen
Paradigmen finden, Freundschaften zwischen Menschen verschiedener Herkunft
fördern und Möglichkeiten für Gespräche schaffen.
Im Februar findet ein Vorbereitungstreffen der
Bandung II Konferenz in Bangkok statt. Das Thema dieser Konferenz wird
„Peacemaking and International Insecurity in the 21st Century" (Die
Friedensstiftung und die internationale Unsicherheit im 21zigsten
Jahrhundert) sein. Wir hoffen, dass ein Ergebnis des Treffens die Gründung
einer regionalen Friedensarmee in Südost Asien sein wird, die auf Gandhis
Tradition von shanti sena zurückgeht.
Ich hoffe, dass dies eine von vielen
Initiativen zu einer friedlicheren, vernünftigeren und gerechteren Welt
sein wird. Es besteht kein Zweifel, dass diese Arbeit von grosser
Wichtigkeit ist.
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